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quelle: www.integral.transpersonal.de

Aus: Transpersonale Psychologie und Psychotherapie,
Ausgabe 2-1998 / Verlag Via Nova, ISSN: 0949-3174

Überarbeitete Fassung vom 23.3.2000

Das neudeutsche Irrationalitäts -Trauma
Jenseits von Sektenkampagne und Gesetzesentwurf
Wolfgang Schmidt-Reinecke, Berlin

Der Name Auroville steht seit 30 Jahren für das von Menschen aus aller Welt gelebte Experiment einer internationalen Stadtgemeinschaft mit ökologischen, sozialen und urbanen Alternativen. Die Grundlagen für die Vision stammen von dem weltweit renommierten Evolutionsphilosophen Sri Aurobindo (1876-1950) und basieren auf dem von ihm entwickelten Integralen Yoga. Ende 1996 wurde dem deutschen Förderverein des in Indien gelegenen Projektes die Gemeinnützigkeit aberkannt. Ohne nähere Begründung und Anhörung wurde der völkerverständigende Charakter des von zahlreichen Menschen in vielen Ländern geförderten Gemeinschaftsmodells bestritten und eine indirekte Nähe zu "esoterischen Sekten" hergestellt. Der verantwortliche Sachbearbeiter weigerte sich, mit dem Vorstand des von ihm aberkannten Vereins persönlich zu sprechen. Vermutlicher Grund: Kurz vorher war eine öffentliche Warnung vor der Gefahr der psychischen Manipulation von Behördenvertretern durch geschulte Sektenfunktionäre durch die Presse gegangen.
Vom UNESCO-Generalsekretär Federico Mayor bis zum deutschen Generalkonsulat in Madras reicht mittlerweile die Palette der Stellungnahmen, die deutlichen Protest und Unverständnis angesichts der offensichtlich völlig uninformierten Entscheidung des Bremer Finanzamtes zum Ausdruck bringen. Sie bildet allerdings keinen Einzelfall: Besonders im Norden der Republik wurde in den letzten beiden Jahren bis dato problemlos anerkannten Vereinen und Gruppierungen der Status der Gemeinnützigkeit entzogen. Neuanträge überprüfen die Finanzbehörden heute vielerorts anhand einschlägiger Breviere der kirchlichen Sektenbeauftragten. Manchen von diesen erscheint zur Zeit offenbar alles verdächtig, was mit Yoga zu tun hat und in Indien beheimatet ist - und nicht nur dies.
In Anbetracht der vermuteten Gefährdung Ratsuchender entwarf der Bundesrat Ende 1996 das "
Lebensbewältigungshilfegesetz" (LBHG). Es geht von der Prämisse aus, daß bei alternativen spirituellen, therapeutischen und lebensberaterischen Angeboten eine erhebliche Gefahr besteht, obskuren und unwirksamen Methoden zum Opfer zu fallen. Kirchliche Beratungsstellen, Ärzte, Psychologen und Heilpraktiker sind von den restriktiven LBHG-Regelungen ausdrücklich ausgenommen. Die Bundesregierung lehnte im Frühjahr 1998 den Gesetzentwurf aus formalen Gründen ab und verwies ihn zur weiteren Beratung an den Rechtsausschuß des Parlaments.
Argumentationshilfen erhofften sich die Urheber des Entwurfes von einer parallel zum Gesetzgebungsverfahren eingesetzten Untersuchungskommission des Bundestages. In dem seit Juni 1998 vorliegenden Bericht der "Enquetekommission sogenannte Sekten und Psychogruppen" wird jedoch die zuvor von Politikern und Medien geäußerte Warnung vor einer breiten gesellschaftlichen Gefährdung durch weltanschauliche und "seelenmanipulierende" Gruppen zurückgenommen. Gleichwohl befürwortet die Kommission mehrheitlich den LBHG-Entwurf, legt die Betonung jetzt allerdings weniger auf einen allgemeinen "Schutz vor Sekten", sondern zielt eher auf die vermeintlichen Gefahren einer irrationalen und weltanschaulich begründeten Methodenanwendung bei Therapien und Lebensberatung.
Es gibt zu denken, daß der größte Teil der deutschen Medien angesichts dieser Versuche einer einseitigen Restriktion und pauschalen Abwertung des alternativen weltanschaulich-spirituellen Bereiches schweigt beziehungsweise sie mehr oder minder gutheißt. Dazu kommt, daß auch die Parteien (mit Ausnahme von Bündnis90/DieGrünen) mit dieser Ablehnung konform gehen.
Haben die Deutschen denn derzeit ein besonderes Problem mit nichtkirchlich-spirituellen Philosophien und "außerwissenschaftlichen" Beratungs- und Therapiemethoden?

Gefährdung nicht nur materieller Besitzstände

Natürlich geht es dabei auch um "Establishment und Newcomer", um Machtpositionen und um Anteile am "Psychomarkt". Wichtiger könnte jedoch ein Blickwinkel sein, der den verborgenen Anteilen des Geschehens gerecht wird. Eine Frage könnte etwa lauten: Gibt es tiefer liegende Ängste, die von den so heftig attackierten Gruppen und Weltanschauungen berührt werden? Geraten durch deren Sichtweisen kollektiv-seelische Arrangements und Besitzstände in Gefahr?
Eine zentrale Angst, so der Versuch einer Antwort, scheint vor den von spirituellen Gruppen und "esoterischen" Therapien transportierten Konzepten der "Trans- bzw. Irrationalität" zu bestehen. In der Tat sind esoterisch-spirituelle Seinserklärungen dazu geeignet, sowohl wissenschaftlich abgesicherte Weltbilder als auch die schon lange rational gezähmte Kirchenreligiosität in Frage zu stellen. Ständiges Infragestellen gehört jedoch nach wissenschaftlicher Lehrmeinung zum Motor geistiger Entwicklung und bildet das wichtigste Werkzeug für Innovationen. Die in der deutschen Mainstreamkultur zu beobachtende apriori-Ausblendung und Bekämpfung von spirituellen und wissenschaftlich-politisch nicht anerkannten Theorien und Therapien legt den Verdacht nahe, daß heute in Deutschland spezifische Berührungsängste mit dem Thema Spiritualität und Irrationalität bestehen. Verkrampfter und tiefgehender noch, als das im Gefolge der "aufgeklärten Moderne" bei den intellektuellen Eliten der meisten Länder zu beobachten ist.
"Die Sensibilität für die Transzendenz, die selbst einander so kritisch gegenüberstehende Denker wie Adorno und Heidegger kennzeichnet, löst im heutigen Geistesleben Deutschlands -zumindest wenn man die öffentlichen Auseinandersetzungen verfolgt- Mißtrauen, ja Hohn aus. Natürlich ist das ein weltweites Phänomen. Dennoch empfinde ich es in Deutschland als besonders schmerzlich, wo ich, wenn ich ankomme, instinktiv nach dem Vermächtnis, den Spuren der großen deutschen Kultur suche. Doch was finde ich stattdessen: Eine geradezu besessen politische und soziologische, will sagen ideologische Weltdeutung, die jede Ansicht, die inhaltlich oder strategisch mit ihr unvereinbar ist, gnadenlos als ´überkommen´ abstempelt" konstatiert der ungarische Historiker Lásló Földényi in der Süddeutschen Zeitung vom 14.1.1998. Fn1

Woher kommt also diese aktuelle deutsche "Geistfeindlichkeit" vor dem Hintergrund einer kulturellen Tradition, die gerade für ihre philosophisch-musische Tiefe und Geistigkeit bekannt ist?

Traumatisierte Diskreditierung spiritueller Sehnsüchte

Vielleicht offenbart sich ein entscheidender Hinweis in einer von bürgerlichen und linken Intellektuellen gleichermaßen und immer wieder geäußerten Kommentierung. Diese Betrachtungsweise sieht Esoterik und Spiritualität grundsätzlich als "faschistoid" und rückt sie in ihrer "irrationalen Abgründigkeit" ängstlich und besorgt in die Nähe des nationalsozialistischen Wahns. So warnt der Leitartikel eines Schwerpunkt-Heftes des ZEIT-Verlages zum Thema Sekten eindringlich:
"Nur wer die Vernunft selbstbewußt als (einzigen) Maßstab gegen die verschiedenen unschuldigen bis bösartigen Formen der Irrationalität einsetzt, hat eine Chance, schwache und gefährdete Menschen zu schützen.... Die Liberalität der Amerikaner in Glaubensfragen kann in Deutschland nicht gelten: Zu frisch sollte uns noch die Erinnerung daran sein, was geschieht, wenn aus bloßem Wahnsinn Methode wird!" Fn2 Und der Wissenschaftsjournalist Holdger Platta erstellte in "Psychologie Heute" ein seitdem oft zitiertes Credo: "Es ist die Esoterik selbst, von Anfang an und in ihrem Kernbestand, die sich mit Grundauffassungen rechtsextremistischen Denkens deckt." Fn3 Peter Kratz bekräftigt diese rigorose Festschreibung in der gleichen Ausgabe der populären Psychologenpublikation an anderer Stelle: "(Es ) wird meist übersehen, daß (im New Age), in dieser breiten religiösen Strömung der Selbstvergötterung, (die) faschisti-sche Ideologie wiederauflebt."

Könnte es also sein, daß, um in Wilberscher Terminologie zu sprechen, der atavistisch-prärationale Rückfall des Nazispuks bis heute in Deutschland nachhaltig eine transrationale Entwicklung verhindert?
Fn4 Daß die Nazis eben nicht nur auf fürchterliche Weise die Juden vergast, sondern auch für Generationen eine differenzierte spirituelle Betrachtung in Deutschland vergiftet haben? Schon lange gibt es Indizien für eine Sichtweise, die hinter der vordergründig machtpolitischen Katastrophe ein noch kaum durchschautes seelisches Kollektiv-Drama zu erkennen vermag. Die Traumatisierung eines ganzen Volkes im Bereich seiner ideellen und seelischen Bedürfnisse, entstanden aus einem gemeinsamen und ungeheuerlichen Fehltritt im Verlauf einer letztlich spirituell zu nennenden Visionssuche. Dieses Tabuthema der deutschen Seelengeschichte, bereits 1952 von Carl Friedrich von Weizsäcker mutig benannt Fn5, wird heute vorsichtig wieder aufgegriffen: "Der Nationalsozialismus war die Zerrform einer in der Substanz berechtigten deutschen Visionssuche, die wir zunächst einmal als solche begreifen müssen, um an Tiefenschichten unseres Bewußtseins heran zu kommen" Fn6.
Die Suche nach (spirituellen) Visionen aber gehört zu den zentralen geistigen Freiheiten. Sie ist nicht erst in den letzten Jahrzehnten in den westlichen Ländern zu einer gewaltigen (sub-)kulturellen Bewegung geworden, sondern war schon in den 20iger Jahren dieses Jahrhunderts gerade in Deutschland Ausdruck einer geistig-seelischen Revolte gegen den materialistischen "Nihilismus der Moderne" (Kirchhoff, 1990). Fatalerweise wußte sich der Nationalsozialismus mit seinem mythischen Instrumentarium dieser Sehnsucht in perfider und perfekter Weise zu bedienen. Nach dem Zusammenbruch des pervertierten NS-Gebildes reagierte die beteiligte Generation traumatisiert mit einer negativen Besetzung ihrer eigenen spirituellen und idealistischen Persön-lichkeitsanteile und gab diese Traumatisierung an ihre Kinder und Kindeskinder weiter.
Fn7
Die Folge ist eine fast schizophren zu nennende Situation im heutigen Deutschland, in der sich Millionen zunehmend von einer esoterischen und "okkulten" Subkultur in Literatur und Unterhaltungsmedien angezogen fühlen, zugleich aber die Hochkultur in krampfhafter Weise die Authentizität einer möglichen dahinterliegenden spirituellen Suche ignoriert und leugnet.
Fn8

Bedrohung als Chance

"Während in der Fachwelt die Interpretation des Nationalsozialismus als eine im Kern messianische Bewegung durchaus akzeptiert worden ist, erzeugt die in letzter Zeit aufgestellte Behauptung, der Nationalsozialismus sei eine politische Religion, (in Teilen der Öffentlichkeit) heftigen Widerspruch. Dennoch kommen die Menschen nicht umhin sich einzugestehen, daß Bewegungen wie der Nationalsozialismus vielleicht doch Elemente enthalten könnten, die mit üblichen Deutungen nicht zu erklären sind." (M.Ley u. J. Schoeps, 1997). Ein internationales Historiker-Symposium in Wien nahm sich 1996 -erstmals im deutschen Sprachraum- den quasireligiösen Gehalt des Nationalsozialismus zum Thema. Fn9 Diese definitorische Akzeptanz könnte ein Anfang sein, um mit der Aufarbeitung der mythisch-seelischen Verstrickung der Deutschen während der Nazizeit eine bis heute anstehende und zentrale Aufgabe unserer Vergangenheitsbewältigung anzugehen. Der Psychoanalytiker Tilman Moser: "Es gibt eine generalisierte Fiktion: Daß wir heute längst ausreichend Bescheid wüßten über die NS-Zeit und daß die Sache weitgehend begriffen und ´bewältigt´ sei." (T. Moser, 1994). Fn10 Noch konkreter wurde Rudolf Bahro: "Ich halte die Frage nach dem Positiven, das vielleicht in der Nazibewegung verlarvt war und dann immer gründlicher pervertiert wurde, für eine aufklärerische Notwendigkeit, weil wir sonst von Wurzeln abgeschnitten bleiben, aus denen jetzt Rettendes erwachsen könnte" (R.Bahro, 1987) Fn11

Die kulturelle Rückgewinnung und Reintegration unserer spirituellen und idealistischen Seelenanteile wäre eine Voraussetzung dafür, um in Deutschland wieder Anschluß an den in anderen Ländern längst begonnenen Diskurs über moderne Spiritualität zu finden.
Fn12 Da sich Kreativität vornehmlich aus irrationalen Resourcen speist, läßt sich durchaus auch über den Zusammenhang eines bisher verborgenen kollektiv-seelischen Transformationsstaus mit dem offen beklagten bundesdeutschen Innovationsstau in Wirtschaft, Politik und Kultur spekulieren.
Die jüngste Sektenkampagne und der geplante LBHG-Entwurf haben immerhin und erstmals Ansätze von Solidarität höchst unterschiedlicher spiritueller Gruppen und Verbände bewirken können. Auf einem der seit Ende letzten Jahres ad-hoc entstandenen Arbeitstreffen von Vertretern dieser Gruppierungen wurde der Vorschlag gemacht, eine "spirituell interdisziplinäre" Stiftung zur Förderung integraler bzw. systemtheoretischer Ansätze und Wege zu etablieren. Ein weiterer -und nachgerade revolutionärer Schritt in der geistesgeschichtlichen Gegenwart Deutschlands- wäre die Einrichtung eines jenseits von Theologie und Biochemie angesiedelten Lehrstuhles für Bewußtseinsforschung, so wie er heute bereits in den USA und anderswo vorhanden ist. Die theoretischen, konzeptionellen und praktischen Grundlagen für diese institutionellen Maßnahmen könnten im Gefolge von einem oder mehreren Symposien geschaffen werden, auf denen von Anthroposophen bis zu Buddhisten Vertreter verschiedener spiritueller Disziplinen und Anschauungen mit unabhängigen Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Medien und Kultur in kreativen Austausch treten.
Die Teilnehmer eines jüngst in Frankfurt durchgeführten Treffens waren sich jedenfalls einig, daß die Zeit reif zu sein scheint für einen gemeinsamen und nachhaltigen Beitrag zur Spiritualitätsdiskussion in Deutschland. Angesichts der besonderen Prägung der deutschen Geistes- und Seelengeschichte muß dieser Beitrag über die tagespolitische Abwehr von LBHG-Einseitigkeiten und der periodisch wiederkehrenden Sektenhatz in den Medien hinausgehen und nach den spezifischen historischen Voraussetzungen und zukünftigen Chancen einer integralen geistesgeschichtlichen Entwicklung in Deutschland fragen.

Summary

Presently in Germany a new law is prepared aiming to defend clients against ill practices of alternative and spiritual psychotherapists. This goes together with a me-dia campaign against "dangerous cults". There is reason to ask for the background of this present German fear of alternative spirituality. Indication might be an often used argument, considering spirituality as close or similar to nazi-ideology. Interpre-ting this view, a whole generation of Germans hat put their hidden spiritual aspira-tions in the tricky nazi-ideology. Leading to the result, that after the war they were left with traumatized spiritual aspirations. Remaining task for contemporary Germans is therefore to get over this trauma and to join the worldwide and modern discussion about consciousness research.

Fußnoten

1 "Was ist deutsch? Selbsthaß als Balsam. Über den Verlust der Identität."
2 ZEIT Punkte - Achtung Seelenfänger! Sekten Gurus, Psycho-Freaks, Nr.4/1997, Die ZEIT, Hamburg
3 Psychologie Heute, Juli 1997
4 Zur Wilberschen Differenzierung des Irrationalitätsbegriffes in prärationale und post- bzw. transrationale Entwicklungsphasen vergleiche z.B. "Meister, Gurus, Menschenfänger - Über die Integrität spitritueller Wege", Hrsg. K.Wilber, B.Ecker, D.Anthony, Krüger Verlag, Frankfurt/M.1995
5 "Der Nationalsozialismus war der mißglückte Versuch, das Reich Gottes auf Erden zu errichten". Zitiert in: "Wahrnehmung der Neuzeit", Carl-Friedrich von Weizsäcker, dtv, München 1985
6 "Nietzsche, Hitler und die Deutschen. Die Perversion des Neuen Zeitalters. Von unerlösten Schatten des Dritten Reiches", Jochen Kirchhoff, edition dionysos, Berlin, 1990
7 "Wenn Hitler das deutsche Volk verführte, dann hat er es zu etwas verleitet, was in ihm steckte. .. Aber die eigene Schuld, die eigene Verantwortung für diese gewaltige Hingabe an Hitler anzusehen und auszuhalten, ist nur schwer möglich. Deshalb wird sie verdrängt. Und jede Hingabe an einen Guru, der sich öffentlich zeigt, jedes grundsätzliche (spirituelle) Anvertrauen weckt bei denen, die ver verdrängt haben, die Erinnerung an die braune Vergangenheit". Der Psychologe Bertold Ulsamer in "Verdrängte Schatten", Connection 9-10/97
8 "Hans-Jürgen Syberberg beklagt (in seinem Buch: Hitler, ein Film aus Deutschland, Reinbek 1978) leidenschaftlich die "materialistische Pseudo-Aufklärung im Nachkriegsdeutschland,....die " verkrampfte deutsche Rationaliät", die seitdem vielfach zu beobachten ist und die nur auf dem Hintergrund des exzessiven Nazi-Irrationalismus begreifbar ist. Hieraus ist eine Verteufelung des Irrationalen schlechthin erwachsen, die beträchtliche Breitenwirkung gewonnen hat. Irrationalismus ist nachgerade zum Synonym all dessen geworden, was zum Faschismus führt."(J. Kirchhoff, 1994)
9 "Der Nationalsozialismus als politische Religion" Hrgs. Michael Ley und Julius H. Schoeps, Philo, 1997, Frankfurt/M.
10 "Literaturkritik als Hexenjagd", Tilman Moser, tb Piper 1994. Streitschrift angesichts der Medienkritik auf Ulla Berkéwicz Roman "Engel sind schwarz und weiß", Suhrkamp tb, 1992. In diesem Band beschreibt Ulla Berkéwicz in expressionistischer Sprache die quasi-spirituelle Entwicklung eines jun-gen Deutschen zum SS-Mann.
11"Logik der Rettung" Rudolf Bahro, 1987
12 "Der Nationalsozialismus versuchte von Anfang an, die scharfe Trennungslinie zwischen ihm und dem Neuen Bewußtsein zu verwischen, um die so überaus starken Impulse des Neuen Bewußtseins für seine Zwecke zu mißbrauchen... Niemals in der Weltgeschichte gab es eine derartige Fälschung aller Werte und Wahrheiten in Bildern und Worten wie durch den Nationalsozialismus. Darum wird auch seine damalige Faszination unverständlich bleiben, solange man nicht zuerst das Neue Bewußtsein und seine Ziele ins Auge faßt. Tatsächlich sollen mit ihm die Grenzen des Menschen erweitert werden, aber nicht die territorialen, sondern die Grenzen des Geistes und des Bewußtseins. Eine ´Bewältigung der Vergangenheit´ kann es nur geben, wenn sie beim Neuen Bewußtsein ansetzt". Dr.Edda Bars: "Der Aufgang des Abendlandes", Aurum Verlag, Freiburg, 1988


Bremen, im Sommer 1998 / 2. Fassung: Berlin, den 23. 03. 2000


Autor

Wolfgang J. Schmidt-Reinecke, geb.1949, studierte Publizistik, Geschichte, Ethnologie an der FU Berlin ( M.A.1979). Arbeitet als freiberuflicher Journalist, Fundraiser und PR-Berater im Bereich Dritte Welt, Verbände, Agenturen und Nonprofitorganisationen. Geschäftsführender Vorstand von "Auroville International Deutschland e.V." Veröffentlichung u.a.: "Jahrbücher für sexuelle Zwischenstufen", Auswahl in zwei Bänden aus einer zwischen 1900 und 1920 von Magnus Hirschfeld publizierten Reihe, Qumran Verlag, Frankfurt/M., 1984.


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